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Kärntner Winterdienst: Wut-Video ist Klick-Hit!

Ein Osttiroler LKW-Fahrer schimpft über die Schneeräumung der Asfinag in Kärnten in einem Wut-Video auf Facebook, das dann mehr als eine Million Mal angeklickt wird – und greift erneut zur Kamera…

Wut-Video: https://www.youtube.com/watch?v=PgLZ3M-motc

Folge-Video: http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Tiroler-Lkw-Fahrer-legt-mit-skurrilem-Video-nach/266045122

„Wir sind verwöhnt, und das ist unser Riesenthema. Jeder möchte im Winter bei Schneefall nahezu in der gleichen Geschwindigkeit unterwegs sein, wie im Sommer bei trockener Fahrbahn. Und das funktioniert halt im Winter nicht“, meint Martin Nigitz, Abteilungsleiter der Stadtreinigung/Winterdienst der Holding Graz.

In der Bundeshauptstadt und in den Landeshauptstädten Österreichs werden deshalb jährlich große Mengen an Auftaumitteln und Streusplitt ausgestreut. In Wien etwa sind insgesamt 44.500 Tonnen Streusalz und mehr als 183 Tonnen Streusplitt für den bevorstehenden Winter eingelagert….

Streusalze, im Regelfall wird Natriumchlorid (NaCl) verwendet, sind umweltschädlich –das ist hinlänglich bekannt. Ein alternatives chemisches Auftaumittel, welches ohne jegliche schädliche Nebenwirkungen für die Umwelt wirkt, muss erst erfunden werden. Hier konnte die Forschung bislang noch keinen Erfolg verbuchen….

Nigitz erklärt: „Die RVS 12.04.12 (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen, Anm. d. Red.) ist die Vorgabe für alle in Österreich. Diese gibt als Norm im Winterdienst vor, dass auftauende Streumittel verwendet werden müssen.“ …

Zumindest auf den Gehsteigen der Stadt Graz wird man kein Streusalz finden – zumindest wenn es nach der Grazer Stadtregierung geht, denn diese hat dies verboten. In Wien ist dies etwas weniger streng geregelt. …

Das Problem ist, dass Privatpersonen oft sehr großzügig Salz auf die Gehwege ausstreuen und so maßlos überdosieren. Dies führt zu einer hohen Belastung des Grundwassers und der Oberflächengewässer. …

Salz ist allerdings nicht gleich Salz. Die Ausbringung von Feuchtsalz und Sole – also stark verdünntem Salzwasser – ist wesentlich umweltfreundlicher als die Verwendung von Trockensalz. Zum einen kommt es durch die verbesserte Bodenhaftung des Feuchtsalzes zu keiner Verwehung von der Fahrbahn hin zu den randlichen Grünflächen. Zum anderen ist damit einhergehend auch die eingesetzte Dosis von NaCl um ein Vielfaches geringer.

Sowohl Graz als auch Wien haben bereits einige Fahrzeuge in ihren Fuhrparks, die in der Lage sind, stark verdünntes NaCl – Feuchtsalz vermischt mit Sole – auf Fahrbahnen als Präventivmaßnahme aufzubringen. Das passiert, sobald erste Schneeflocken vom Himmel fallen. Einen physikalischen Haken hat die Sache jedoch: Ist die Fahrbahn bereits mit Schnee bedeckt, wird das Salz dadurch zu stark verwässert. Dann verschiebt sich der Gefrierpunkt: der Schnee vereist, und man muss erst recht noch einmal streuen. Nigitz erklärt weiter: „Feuchtsalz wirkt nur auf Straßen, die viel befahren sind. Es wirkt beim Großteil der Straßen, wie z.B. Wohnstraßen, nicht. Dort wird dann eben doch das höher konzentrierte Trockensalz und Splitt verwendet“.

Die Annahme, dass herkömmlicher Streusplitt deshalb besser für die Umwelt wäre als Salz, ist allerdings weit gefehlt. Abgesehen von der Gefahr der Feinstaubbelastung stellen nach Winterende die Entsorgung wie auch das Recycling jedes Jahr eine Herausforderung für die Winterdienste dar. Auftausalze haben deshalb – vor allem auf vielbefahrenen Straßen – eine bessere „Ökobilanz“ als Streusplitt. Bei übermäßiger Ausbringung besteht zudem die Gefahr, dass die kleinen Steinchen Kanäle und Abflüsse verstopfen. …

Die Umweltberatung empfiehlt jedoch, alternativ zu NaCl – das nach derzeitigem Forschungs- und Wissensstand – umweltfreundlichere Kaliumcarbonat als Auftaumittel zu verwenden. Es sollte vor allem in sensiblen Bereichen, wie etwa an Baumalleen und Grünflächen angrenzende Straßen und Gehwegen, zum Einsatz kommen. … Kaliumkarbonat ist um das Vierfache teurer als Trockensalz. Da jedoch auch dieses Mittel nicht frei von jedem „Makel“ ist – es führt zu vermehrtem Stickstoffeintrag auf Boden und Pflanzen –, sollte auch hiermit gering dosiert werden.

Am umweltverträglichsten wäre die Kombination mit einem Blähton-Granulat – reiner Ton, der zu Korn gebrannt und gebrochen wird. Geläufig ist dieses als Substrat in Pflanzentöpfen. Das Granulat wirkt abstumpfend und müsste im Gegensatz zu Splitt theoretisch auch nicht „eingekehrt“ werden. Doch man stelle sich vor, dass an den Straßen- und Gehwegrändern sowie auf Grünflächen feinstaubverdächtige Blähtonkrümel-Haufen liegenbleiben, die – und das ist ihr großer Nachteil – braune Flecken hinterlassen. Was in der Natur egal wäre, spielt im urbanen Raum dann doch eine große Rolle. Die Stadt Graz hat bereits vor einiger Zeit einen Versuch mit der Anwendung von Blähton gemacht, der jedoch rasch wieder eingestellt wurde. „Unsere Wirtschaft hatte mit dem Blähton die massivsten Schwierigkeiten, weil man den Dreck in alle Geschäfte getragen hat“, erinnert sich Nigitz. …

Zumindest für den privaten Gebrauch vor der Haustüre oder am Gehsteig gut geeignet sind Holzspäne als alternatives umweltfreundliches Streumittel. Diese können ohne weiteres für den nächsten Winter zusammengekehrt und wiederverwendet werden.

Die Erfindung eines kleinen deutschen Familienbetriebes lässt jedoch aufhorchen. Wilderich Freiherr von Haxthausen hatte die Idee, die Maiskolben, die bei der Saatgutproduktion als Abfall anfallen, in grobe Stücke zu häckseln und als abstumpfendes Streumittel zu verwenden. Haxthausen verkauft hauptsächlich an Gewerbe- und Industriebetriebe sowie an Bauhöfe und Straßenmeistereien, aber auch an Privatkunden.

Wird Haxthausens Maisspindelgranulat in Wohnungen oder Geschäfte vertragen, hinterlässt es keine Flecken und könne einfach mit dem Staubsauger eingesaugt werden. Draußen angewendet, belastet es weder Boden noch Pflanzen und kann einfach – sofern nicht durch Schadstoffe aus dem Straßenverkehr verschmutzt – in die Biotonne gekippt werden. Wie es mit einer möglichen Feinstaubbelastung aussieht, ist bis dato jedoch nicht bekannt. …

Die umweltverträglichste aller Möglichkeiten, Schnee und Eis zu beseitigen, ist wohl die sogenannte „Schwarzräumung“ mit einer – wo angemessen – „Nullstreuung“. Das bedeutet, dass die Fahrbahn so rasch wie möglich zur Gänze von Schnee befreit wird, und eine Streuung mit auftauenden sowie abstumpfenden Mitteln dadurch vermieden werden kann. Graz hat im Winter 2005/2006 in einigen Stadtteilen ein Pilotprojekt gestartet. Aufgrund der damaligen Pflugtechnologie wurde der Versuch allerdings wieder eingestellt. Die Pflüge konnten wegen der Unebenheiten der Fahrbahnen die Straße nicht komplett räumen. Im Jahr 2016 ist die Technologie schon weiter: Mittlerweile ist die Kommune im Besitz von vier Räumgeräten, welche Straßen mit Fahrbahnunebenheit von bis zu zwölf Zentimetern nahezu schwarz räumen können. Eine Wiederholung des damaligen Pilotprojekts wäre in verkehrsberuhigten Stadtvierteln also durchaus anzudenken – mit Vorbildwirkung für andere Städte. …

https://www.biorama.eu/streusalz/

 

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