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Wasserrohrbruch: Was taugt die Billig-Lösung?

Bei dem einen Hausbesitzer mehren sich in letzter Zeit die Rohrbrüche, bei dem anderen kommt leicht rötlich-braune Brühe aus dem Wasserhahn, der nächste hat kein Vertrauen mehr in die Bleileitungen in seinem Altbau und bei dem Nachbarn fiel der Legionellentest beunruhigend aus. Alle vier stehen nun vor der Frage: Was tun mit dem alten Rohrsystem? An einer Sanierung scheint kein Weg vorbei zu führen.

Doch der Austausch von Rohren ist aufwendig und teuer. Eine verlockende Alternative ist da für viele Eigenheimbesitzer oder Vermieter eine sogenannte Innenrohrsanierung. Dabei werden die Rohre von innen mit Sand ausgestrahlt, um Ablagerungen und Reste zu entfernen. Anschließend beschichten die Anbieter die Rohre von innen mit speziellen Materialien. Der große Vorteil: Weil die Handwerker dazu keine Wände aufstemmen und Fliesen zerschlagen müssen, betragen die Kosten oft gerade einmal die Hälfte eines kompletten Austausches. Bei geschätzten Kosten von 100.000 Euro für den Rohraustausch in einem Zehn-Parteien-Haus oder 15.000 Euro für ein Einfamilienhaus ist das schon eine Ansage. Die Betriebe werben zudem mit Zeitersparnis.

Gesundheitsgefährdende Stoffe

Sachverständige und Verbraucherschützer warnen jedoch vor diesen alternativen Verfahren; vor allem, wenn Epoxydharze um Einsatz kommen. „Dieses Beschichtungsmittel kann die gesundheitsgefährdende und krebserregende Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten und in das Trinkwasser abgeben“, warnt Manuel Fernandez, Referent für Chemikalienpolitik beim BUND. Keines der beim sogenannten Relining-Verfahren eingesetzten Harze werde vom Umweltbundesamt (UBA) als unbedenklich eingestuft.

„Erst unlängst haben verschiedene Gerichte geurteilt, dass dieses Verfahren „derzeit nicht anerkannten Regeln der Technik entspricht.“ …

Vermieter oder Eigentümer, die diese Technik einsetzen, riskieren damit nicht nur ihre Gesundheit oder die ihrer Mieter. Sie haften auch unmittelbar für Schäden – oder riskieren Einnahmeverluste. Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Köln (Az: 201 C 546/10) darf ein Mieter nämlich nach einer Innenrohrsanierung die Miete um 20 Prozent mindern, wenn eine abstrakte Gesundheitsgefährdung im Raum steht. Die gilt dann als Mangel an der Mietsache.

Auch neue Materialien sind (noch) nicht unbedenklich

Die Rohrsanierungsbetriebe haben reagiert und bieten inzwischen vereinzelt eine Innenbeschichtung mit Keramik an. „Aber auch das sollte für Eigentümer keine Option sein“, sagt Volker Wittmann, Berater beim Verband privater Bauherren (VPB). Es handle sich dabei nicht um ein Verfahren „nach anerkannten Regeln der Technik“. „Es bleibt einfach immer ein Restrisiko in Sachen Gesundheitsgefährdung und Haftung, das weder die Eigentümer noch Bauexperten einschätzen können“, gibt Wittmann zu bedenken. Er selbst sieht daher derzeit keine unbedenkliche Alternative zum kostspieligeren Austausch der Rohre.

Hinzu kommt: „In der Regel braucht eine Beschichtung ein Bindemittel, das die keramischen Bestandteile mit dem Rohr verbindet“, erklärt Rapp. Auch dieses bräuchte seinerseits den Nachweis der hygienischen Unbedenklichkeit. „Werden aber beispielsweise Keramik-Komposite verwandt, können diese Bindemittel wiederum bedenkliche Stoffe wie BPA A freisetzen oder Schwermetalle wie Cadmium oder Blei enthalten“, sagt Bauingenieur Wittmann. …

Rohrbruch-Risiken nach der Reparatur

Unabhängig von den verwendeten Stoffen kritisieren Experten das Verfahren Innenrohrsanierung generell. So kann es etwa nach Erfahrungen von Peter Paul Thoma, öffentlich bestellter Sachverständiger und Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klima in Frankfurt, bei der Innenreinigung durch das Sandstrahlen zu Rohrbrüchen kommen. Für die übernehmen die Betriebe aber keine Haftung. Das heißt: „Die bestehenden Rohre werden nur geflickt, und die Wände müssen trotzdem mit allen Folgekosten geöffnet werden – genau das was man sich eigentlich ersparen wollte“, sagt Thoma. …

Müssen nach einer erfolgten Innenrohrsanierung irgendwann einmal einzelne Rohre ausgetauscht werden, besteht ebenfalls das Risiko, dass Rohre brechen. „Es ist noch nicht geklärt, wie sich eine korrosionsfreie Verbindung zwischen neuem und beschichtetem Rohr gewährleisten lässt“, erklärt Thoma.

Gerade bei alten, nicht wärmegedämmten Leitungen führe kein Weg an einem Austausch vorbei. „Bei ungedämmten Rohren können Kaltwasserleitungen aufheizen und Warmwasserleitungen nicht die geforderten Temperatur von 55 Grad Celsius halten. Dies leistet der Legionellenbildung Vorschub,“ sagt Thoma.

Restlebensdauer abschätzen

Trinkwasserrohre – vor allem die bis vor 20 Jahren noch üblichen verzinkten Stahlrohre – haben eine mittlere Lebensdauer von 30 Jahren“, weiß VPB-Berater Volker Wittmann. Wer ein so altes Haus hat oder plant, eines zu kaufen, sollte die Rohrleitungen daher vorsorglich durch einen Fachbetrieb überprüfen lassen. Via Endoskopkamera können Spezialisten den Zustand der Rohre stichprobenhaft einschätzen. „Anschließend können die Eigentümer dann besser abschätzen, ob es bereits Sanierungsbedarf gibt und wie hoch er ist“, so Wittmann. Im Worst Case ist der komplette Austausch sofort fällig. In Einzelfällen lässt er sich aber auch splitten: die am stärksten betroffenen Rohrstränge jetzt, der Rest in ein paar Jahren.

http://www.focus.de/immobilien/bauen/renovieren/altbau-sanierung-wenn-trinkwasserrohre-undicht-werden-was-taugt-die-billig-loesung_id_5254587.html

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